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Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion hegt Russland nach wie vor erheblichen Neid gegen die unabhängige Ukraine, die es immer noch als einen wichtigen Teil von „Mutter Russland“ betrachtet. Das Land betrachtet daher die Eroberung der Ukraine als entscheidend für die Wiederherstellung seines sogenannten „historischen Russlands“.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat keine Mühen gescheut, um das falsche historische Narrativ zu verbreiten, dass Ukrainer und Russen „eine Nation“ bilden würden. Putin wünscht sich sehnlichst, die Länder der ehemaligen Sowjetunion wieder zusammenzuführen und das rückgängig zu machen, was er die „größte geopolitische Katastrophe des zwanzigsten Jahrhunderts“ bezeichnet. Sein oberstes Ziel ist es, die „Fehler“, die seiner Meinung nach durch den Zusammenbruch der UdSSR im Kalten Krieg vor dreißig Jahren begangen wurden, zu korrigieren. Infolgedessen möchte er die gesamte europäische Sicherheitsarchitektur neu aufbauen, was für den Westen mit enormen Kosten verbunden sein würde. Seine jüngsten Publikationen und Reden zu diesem Thema sind Berichten zufolge zur Pflichtlektüre des russischen Militärs geworden. 

Die Ukraine, die 1991 ihre Unabhängigkeit erklärte, hat sich unwiderruflich für einen völlig anderen Weg entschieden – einen unabhängigen Weg der demokratischen Entwicklung, der Reformen und der Integration in die EU. Im Gegensatz dazu hat der Kreml beschlossen, den Weg der Konservierung und des unbegründeten Strebens nach der Wiederherstellung seines Imperiums zu begehen.

Tag der Abstimmung über die Unabhängigkeitserklärung der Ukraine am 24. August 1991
Foto: Ukrinform.ua

Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion haben sich Veränderungen in den einzelnen postsowjetischen Ländern unterschiedlich schnell manifestiert. Einige Länder, wie Weißrussland, haben Veränderungen gebremst und versucht, an ihrem sowjetischen Erbe festzuhalten; andere haben sich so weit und so schnell wie möglich weiterentwickelt. Die baltischen Staaten und die Länder des ehemaligen Warschauer Paktes haben ihre sowjetische Vergangenheit abgeschüttelt und Anfang der 1990er Jahre Schritte zur Integration in die NATO und die EU unternommen, die bis 2004 abgeschlossen wurden – kurz bevor der russische Imperialismus wieder aufblühte. Leider hatten die Ukraine und Georgien diesen Weg zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen. Beide blieben außerhalb der euroatlantischen Gemeinschaft, und beide wurden später Ziel militärischer Angriffe Russlands, die Menschenleben und Territorien kosteten.

Es scheint, dass die Grundwerte und die DNA der ukrainischen Gesellschaft, die Liebe zur Freiheit, zur Demokratie, zum freien Denken und zu den europäischen Werten sind das, was Putin als ein Gräuel sieht. Er kann diese Werte weder verstehen noch tolerieren, und deshalb versucht er stattdessen, sie zu zerstören.

Folglich ist die militärische Aggression und die völlige Verletzung aller internationalen Normen und Gesetze das Einzige, was Russland bieten kann, um unabhängige Staaten zu ermutigen, sich in die Umlaufbahn der „russischen Welt“ zu begeben: sein neoimperiales Projekt.

Putins zahlreiche Versuche, Russland als „Opfer, das sich gegen einen ‚aggressiven‘ Westen verteidigt“, die NATO-Erweiterung oder „radikale Nazis, die russischsprachige Bürger töten“ darzustellen, sind unsinnig und dienen als Instrument der Reflexionskontrolle, um Putins eigene aggressive Ambitionen zu verschleiern. 

Letztlich ist die Antwort auf die Frage einfach: Ein Land, das jegliche Äußerung von Freiheit unterdrückt, kann ein Land, dass das Wesen der Freiheit verkörpert, weder verstehen noch mit ihm oder in seiner Nähe leben.

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heroic and dramatic pages of Ukrainian thousand-year-old history from the very beginning Read now