Die Ärztin Iryna rettete vier Menschen das Leben während der Besetzung von Butscha

Iryna Yazova

Iryna Jazowa, Therapeutin und Hausärztin, hatte sich nicht auf den großen Krieg vorbereitet — sie wusste, dass sie als Wehrpflichtige in der Stadt arbeiten würde. Ihr erster Patient während der Besatzung war ihr Nachbar Wolodymyr — der Mann wurde verletzt, als er von einem Besuch bei Verwandten aus einem anderen Wohnhaus zurückkehrte. Nachbarn brachten ihn zu Iryna, und sie schnitt ihm an Ort und Stelle die Kleidung ab, behandelte die Wunde und pflegte den Mann einige Tage lang.

Die nächsten Patienten waren eine Frau mit einem angeschossenen Schienbein und ihre eineinhalbjährige Tochter mit einem verletzten Bein. Selbst die Aufschrift „Kinder“ auf dem Auto rettete sie nicht vor dem Beschuss durch die Besatzer. Als Iryna ihnen half und zurücklief, um Antibiotika zu holen, befand sich bereits russisches Militärgerät zwischen den Häusern.

Im selben Butscha halfen Iryna und ihre Nachbarn bei der Geburt von Alice — wir berichteten bereits über ihre Geschichte. Die junge Mutter Anna bekam ihre Wehen direkt auf dem Boden, ohne Licht, Gas oder Wasser und bei Kerzenlicht. Erst danach waren die Ärztin und ihr Mann bereit, die Stadt zu verlassen.

Auf dem Weg durch die Region Kyjiw sah das Paar die Folgen der Verbrechen, von denen später Fotos um die Welt gingen. Doch trotz ihrer Erlebnisse sieht sich die Frau nicht als Heldin — sie sagt, sie habe getan, was sie tun musste. Iryna ist froh, dass sie vier Menschenleben retten konnte: „An meiner Stelle würde jeder dasselbe tun. Wenn man ein Leben rettet, rettet man die ganze Welt.“