Der 24-jährige Ihor Sereda hilft seit mehr als einem Monat bei der Exhumierung von Opfern der russischen Besatzung in der Kyjiwer Oblast

Seit vier Jahren leitet Ihor Sereda einen rituellen Dienst in der Gebietskörperschaft Nemischajeve bei Bucha. Seit er 16 Jahre alt ist, beschäftigt er sich mit dem Tod. Aber noch nie hatte er es in einem solchen Ausmaß gesehen. Der Junge blieb während der Besatzung in seinem Heimatort – er weigerte sich, mit seiner Mutter und seiner Schwester zu evakuieren und brachte den Menschen stattdessen Lebensmittel und Arzneimittel. In seiner Freizeit organisierte er Beerdigungen.

Mehr als einen Monat nach der Befreiung der Kyjiwer Oblast sind Ihor und andere Freiwillige dabei, Menschen auszugraben, zu transportieren und zu beerdigen. Der Mann kann viele Zeugnisse von Angehörigen der Opfer über deren Tod erzählen: Jemand ging hinaus, um seinen Hund zu füttern, jemand wollte rauchen, und viele starben durch einen Kopfschuss – im Hinterhof oder sogar im Bett.

In den ersten Tagen der Befreiung besuchte Ihor 20 Begräbnisstätten pro Tag. Er arbeitete von 7 Uhr morgens bis 23 Uhr abends. In dieser ganzen Zeit nahm er keinen einzigen Tag frei. Müdigkeit und Grauen über das, was er gesehen hat, sind die einzigen Gefühle, die er derzeit hat. Doch wie viele andere Freiwillige in anderen Oblast der Ukraine hält auch Ihor seine Arbeit für zu dringend, um sie aufzugeben.