Anatolij Fomenko überquerte den Fluss, um seine Familie vor den Besatzern in der Oblast Cherson zu retten

Als die Russen am 10. März in das Dorf Welyka Oleksandriwka einzogen, begannen sie, „ihre eigenen Regeln“ aufzustellen. Eines Tages kamen die Besatzer und durchsuchten das Haus von Anatolij Fomenko. Nach Angaben des Mannes hatten die Russen irgendwie herausgefunden, dass er mit seinen Mitstreitern in der Dorfverteidigung kommunizierte.

Einige Tage später hielt eine Patrouille Anatolij auf der Straße an. Sie waren zu dritt: Einer durchsuchte sein Telefon, der andere überprüfte seinen Pass, und der dritte stand mit einem Maschinengewehr neben ihm. Nachdem sie sich in der Nähe unterhalten hatten, kehrten sie zu Anatolij zurück, forderten ihn auf, sich auszuziehen, und schlugen ihn.

Nach einer Weile kehrten dieselben Soldaten zu Anatolijs Haus zurück. Diesmal hielten sie ihn fest. In der örtlichen Schule schlugen die Besatzer den Mann erneut und zwangen ihn zur Mitarbeit. Diese Geschichte wiederholte sich immer wieder: Beim ersten Mal folterten die Russen Anatolij eine Stunde lang, beim zweiten Mal vier Stunden. Danach beschloss er, zusammen mit seiner Mutter und seinem kleinen Sohn aus dem Dorf zu fliehen.

Die Mutter von Anatolij mit Schwiegertochter und Enkelkindern. Foto: Tetjana Kosak, Graty media

Die Familie Fomenko konnte nicht durch die Kontrollpunkte fahren. Sie beschlossen, den Fluss Ingulez zu überqueren. Die Familie verließ das Haus um fünf Uhr abends und kam zum Fluss. Anatolij zog sich aus, um den Fluss zu überqueren und ein Boot vom anderen Ufer zu holen. Er schob das Boot zurück zu seiner Mutter und seinem Sohn. Der Mann brachte seine Verwandten ans andere Ufer und dann gingen sie durch die Felder zum Nachbardorf.

Die Fomenkos verbrachten die Nacht bei Verwandten, und früh am Morgen flohen sie weiter. Die Erwachsenen trugen den Jungen den größten Teil des Weges auf den Schultern. Anatolijs Mutter half, weil der Mann nach den Schlägen Schmerzen hatte. Die Familie ging 25 Kilometer zu Fuß, bis das ukrainische Militär sie aufgriff. Am Kontrollpunkt konnte Anatolij seine Tränen nicht zurückhalten, denn er hatte Angst, jeden Moment in die Hände der Besatzer zu fallen.

Bereits in Sicherheit, rief Anatolij die Nachbarn an. Sie erzählten ihm, dass die Russen in sein Haus eingebrochen waren. Die Besatzer klopften an Türen und Fenster und beschossen das Haus. Jetzt versucht der Mann, in der neuen Stadt einen Job zu finden. Seine Familie ist in Sicherheit.