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In Kriegszeiten Berichte

Von der Frontlinie nach Westen: Wie ein spezieller Sanitätszug die Kranken und Verwundeten transportiert

Seit sieben Monaten verkehrt ein spezieller Sanitätszug durch die Ukraine. Er bringt Menschen aus Städten und Dörfern an der Front zu Krankenhäusern im Westen des Landes. Wir sind diese Strecke gefahren, um die schwierigen Geschichten der optimistischen Passagiere zu erzählen.

Foto: Andrii Boiko / Babel

Seit März fährt ein Sanitätszug durch die Ukraine. Er wurde von der internationalen Organisation “Ärzte ohne Grenzen” gestartet. In sieben Monaten hat er bereits 2.000 Menschen transportiert. Dabei handelt es sich um die  Opfer von Bombardierungen oder um die Schwerkranken, die zu Hause keine angemessene medizinische Versorgung erhalten können. Die Journalistin Yuliana Skibitska und der Fotograf Andrii Boiko verbrachten eine Nacht in diesem Zug. Er fuhr von Pokrowsk, einer Stadt in der Region Donezk, nach Winnyzja am rechten Ufer des Flusses Dnipro. Und so sah die Straße aus.

Der Zug

28. Oktober, 18 Uhr. Der Bahnhof in Dnipro ist ungewöhnlich dunkel und nicht überfüllt für einen Verkehrsknotenpunkt in einer Großstadt zur Hauptverkehrszeit. Auf dem ersten Bahnsteig blinken die Lichtsignale der Krankenwagen zusammen mit den schwachen Zigarettenlichtern. Mehrere Fahrer rauchen dort, während sie sich unterhalten:

„Wann wird er ankommen?“
“Pünktlich – wahrscheinlich um 18.30 Uhr.”
“Wie lange [wird der Zug hier bleiben]? Was denken Sie?”
“Na ja, bis er geladen wird, vielleicht 20 Minuten lang. Es sind nicht viele Leute da.”

Foto: Andrii Boiko / Babel
Foto: Andrii Boiko / Babel

Wir warten auf den Sanitätszug, der Pokrowsk verlässt. Hier, in Dnipro, wird er noch ein paar Patienten aufnehmen und nach Chmelnyzkyj fahren. Die gesamte Reise wird etwas länger als einen Tag dauern.

Der Zug ist genauso dunkel wie der Bahnsteig. Die Fenster der meisten Waggons sind undurchsichtig, so dass es unmöglich ist, zu sehen, was im Inneren passiert. Einige Fenster haben Aufkleber mit einem durchgestrichenen Maschinengewehr, was bedeutet, dass der Zug Zivilisten transportiert. Die Koordinatorin dieses Zuges ist Albina Zharkova – die Frau mit kurzen dunklen Haaren, sie sieht etwas über 35 Jahre alt aus. Zusammen mit den Sanitätern überwacht sie, wie die Patienten in den Zug gebracht werden. Heute sind auch verletzte Kinder dabei.

“Sie werden hier schlafen,” Albina führt uns in einen leeren Wagen. Darin befinden sich mehrere Krankenhausbetten, die am Boden festgeschraubt sind, damit sie unterwegs nicht wackeln. Neben dem Ausgang steht ein Gerät zum Blutdruck- und Pulsmessung. “Dieser Zug ist für uns halbleer, weil wir auf dem Weg [von Pokrowsk] kaum Patienten aufgenommen haben. Deshalb geben wir Ihnen einen ganzen Waggon.”

Foto: Andrii Boiko / Babel

“Ich dachte, es kommen jetzt die Kranken, aber sie sind völlig gesund”, sagt der Schaffner Mykhailo, der für den Wagen zuständig ist, und schaut uns mit Lächeln an. Er arbeitet hier seit dem ersten Tag der großen Invasion. “Es waren ganz verschiedene Leute hier”, fährt er fort. “Einmal war es unmöglich, den Waggon zu betreten. Andere rannten daran vorbei, ohne anzuhalten.”

“Warum?” frage ich.

“Es gab Menschen mit Wundbrand. Es war Sommer, heißes Wetter. Wir verbanden die Wunden, aber dann muss man die Prozeduren machen, die Wunden spülen. Es ist notwendig, die Wunden wieder zu verbinden. Können Sie sich vorstellen, wie der Geruch war? Aber was kann man tun? Man kann sie nicht aus dem Zug werfen, das sind unsere Leute.”

Der Zug besteht aus acht Waggons. Den Patienten stehen nur drei davon zur Verfügung.

“Es ist jedes Mal anders”, erklärt Albina. “Manchmal sind mehr Leute dabei, manchmal weniger. Vieles hängt von der Situation an der Front und dem Beschuss ab. Zum Beispiel [am 8. April], als die Russen den Bahnhof in Kramatorsk beschossen [und 61 Menschen starben], nahm der Zug Dutzende von Menschen mit. Viele von ihnen waren mit Kindern.”

Foto: Andrii Boiko / Babel
Foto: Andrii Boiko / Babel

“Am Anfang haben wir ununterbrochen gearbeitet”, erklärt Albina und zeigt uns den Zug. “Während der ersten Fahrt hatten wir nur drei Ärzte. Eine Reise war zu Ende, und wir machten sofort eine neue. Pausenlos. Jetzt ist es einfacher, wir haben genug Leute. Der Zug fährt zweimal in der Woche nach Fahrplan.”

Die Waggons sind komplett umgebaut, um den Bedürfnissen der Patienten gerecht zu werden. Anstelle der üblichen Abteile gibt es breite Krankenhausbetten. In einem anderen Wagen wird die Hälfte des Raums von der Küche eingenommen, in der die Ärzte essen können. Ein anderer Wagen verfügt über einen riesigen Generator für den ununterbrochenen Betrieb von Beatmungsgeräten und Wiederbelebungsanlagen. Der Wiederbelebungswagen befindet sich am Ende des Zuges. Heute werden dort verletzte Kinder aus der Region Donezk transportiert. Ein Teil des Waggons ist mit einem weißen Betttuch abgedeckt und wir gehen nicht dorthin. In dem Teil, der offen ist, gibt es nur ein Bett mit einem sehr blassen sechsjährigen Jungen. Neben ihm steht seine Mutter, die sanft seine Hand streichelt. Ich zwinkere ihm zu, als ich vorbeigehe – der Junge lächelt kaum mit blassen Lippen. Besorgte Ärzte in grünen Kitteln und Warnwesten gehen ständig zwischen den Betten umher.

“Transportieren Sie nur die Verwundeten heraus?” frage ich Albina.

“Nein, nicht nur sie”, antwortet sie und glättet das Bettuch auf einem der Patientenbetten. “Wir haben mehrere Gruppen von Menschen. Das sind die Verwundeten, die nicht gehfähigen Patienten und die Menschen mit schweren Krankheiten. Außerdem gibt es sogenannte Sozialpatienten – ältere Menschen, die weder Verwandte oder ein Zuhause haben. Wir haben ein großes Netz von Freiwilligen in verschiedenen Städten des Donbass. Sie holen Menschen ab, die Hilfe brauchen, und bringen sie nach Pokrowsk. Dort steigen die Patienten in den Zug ein. Und dann bringen wir sie in den Westen der Ukraine. Wir stehen in ständigem Kontakt mit dem Gesundheitsministerium, um zu erfahren, in welchen Krankenhäusern es freie Plätze gibt. Wir versuchen, diese nicht zu überfordern. „Wenn der letzte Zug beispielsweise nach Lwiw fuhr, fährt der nächste nach Chmelnyzkyj.”

Leute

Wir steigen in einen anderen Waggon ein. Es sind sechs Personen darin. Ich frage die Ärzte, mit wem ich sprechen kann. Sie lachen.

“Gehen Sie zu Nummer 18”, sagt der junge Arzt. “Sie ist immer bereit, mit allen zu kommunizieren.”

“Sie ist ein positiver Mensch”, fügt ein anderer Arzt hinzu. “Sie wird Sie jetzt aufmuntern.”

Foto: Andrii Boiko / Babel

Nummer 18 ist eine 70-jährige Frau. Auf den ersten Blick wirkt sie dick, aber dann erkennen wir, dass es sich um einen Verband am Bauch handelt. Die Frau lächelt freundlich mit ihrem zahnlosen Mund, als wir uns ihr nähern. Ihr Name ist Tetiana Ivanivna, sie kommt aus Kramatorsk. Tejiana geriet am 17. September unter Beschuss.

“Ich stand direkt neben der Bank”, erzählt Tetjana Iwaniwna. “Und da kommt die Rakete.” “Warum sind Sie während des Luftalarms durch die Straßen gegangen?” frage ich.
“Wie hätte ich das nicht machen können! Wer wird dann  die Lebensmittel kaufen? Wer soll in die Apotheke gehen? Ich wollte gerade zur Apotheke gehen.”

Tetjana Iwaniwna lebt allein in Kramatorsk. Sie hat weder Kinder noch einen Ehemann. Sie hat ihr ganzes Leben dort verbracht. Während des Beschusses wurde sie am Bauch verwundet. Ich frage sie, warum sie die Stadt nicht verlassen hat.

Foto: Andrii Boiko / Babel

“Niemand wartet irgendwo auf mich! Wie man in unserem Land immer sagt, taugt man dort am besten, wo man geboren wurde.“

“Hatten Sie keine Angst, in Kramatorsk zu bleiben?”

“Ich hatte keine Angst!  Wovor sollte ich denn  Angst haben? Vor einem Spaziergang durch meine Stadt?”, antwortet sie.

Eine andere Frau mit kurzem Haarschnitt sitzt auf dem Bett hinter uns. Sie hört unserem Gespräch zu und lächelt. “Ich sage allen, dass ich im Frühjahr nach Kramatorsk zurückkehren will. Und niemand wird mich aufhalten! Wo ich geboren wurde – dort werde ich sterben. Aber ich habe nicht vor zu sterben, glauben Sie das nicht. Man hat mir einen Verband um den Bauch gemacht und jetzt geht es mir besser als allen anderen!”

Ich komme zu einer Frau mit einem kurzen Haarschnitt. Das ist Kateryna Pawliwna aus dem Dorf Rubzi bei Lyman. Sie ist 71 Jahre alt, dünn und trägt einen blauen Morgenrock, der ihr einige Größen zu weit zu sein scheint als nötig. In eine Wolldecke gehüllt, sitzt Kateryna  am Rande des Bettes. Sie hält eine Plastikschüssel mit den Resten des Breis vom Abendessen in der Hand. Als sie uns sieht, stellt sie die Schüssel weg und lächelt. Am 14. September, als um ihr Dorf heftige Kämpfe tobten, fiel die Frau während des Beschusses in den Keller und hat sich die Hüfte gebrochen.

Foto: Andrii Boiko / Babel

“Ich habe anderthalb Monate lang allein zu Hause gelegen”, sagt Kateryna Pawliwna und fängt an zu weinen. “Dann kam das Rote Kreuz und brachte mich nach Kramatorsk. Dort habe ich zwei Tage im Krankenhaus verbracht. Jetzt fahre ich nach Lwiw.”

Kateryna Pawliwna hat eine große Familie. Sie hat zwei Söhne, zwei Töchter, fünf Enkelkinder und einen Urenkel, der vor kurzem geboren wurde. Fast alle von ihnen befinden sich jetzt in den vorübergehend besetzten Gebieten der Region Donezk. Als im September die schweren Kämpfe im Bezirk Lyman begannen, verließ die Familie das Gebiet. Jetzt können sie nicht mehr zurückkehren: Sie sagen, die Besatzungsbehörden lassen sie nicht mehr zurück. Kateryna Pawliwna wollte nicht wegfahren. Sie blieb, um sich um das Haus zu kümmern, und sie wollte auch die Hunde nicht zurücklassen.

“Es waren schreckliche Kämpfe, so schrecklich”, erzählt die Frau weiter. “Damals, als die Russen kamen [am 26. Mai], war es laut. Aber wir wussten, dass es jetzt noch schlimmer werden kann, weil sie [die Russen] nicht gehen wollten. Und so war es dann auch. Sie [Raketen und Geschosse] flogen ständig über mein Haus. Dann gab es einen lauten Knall, und ich fiel hin. Ich lag zwei Tage lang allein da, ohne Wasser, ohne Essen, und konnte mich nicht bewegen. Ich hörte die Hunde winseln und heulen – aber ich konnte nicht aufstehen. Ich habe ihnen nur zugehört.”

Kateryna Pawliwna wischt sich die Tränen weg. Ihre Hände zittern. Ich nehme ihre Hand, die Frau beruhigt sich ein wenig und fährt dann fort.

Foto: Andrii Boiko / Babel

“Dann kam die Nachbarin und fand mich im Keller. Sie trug mich ins Haus und kam dann einmal am Tag zu mir ― um meinen Zustand zu überprüfen und mir etwas zum Essen zu geben. Ich bat sie, die Hunde zu füttern. Ich weiß nicht, ob sie sie gefüttert hat oder nicht, aber meine Hunde sind weg… Dann haben mich die Freiwilligen gefunden. Dima und Taras, so gute Jungen, haben mich gerettet. Gott segne sie. Ich denke: Wie konnte ich überleben? Warum hat der Gott mich hier gelassen?”

Ich sage, dass das Schlimmste vorbei ist. Kateryna Pawliwna schüttelt zustimmend den Kopf.

“Mein Urenkel wurde geboren. Ich habe sofort meine Tochter angerufen, und er hat etwas ins Telefon gemurmelt. Ich möchte ihn wenigstens einmal auf den Arm nehmen.”

Hoffnung

Der Waggon, in dem sich die Ärzte und Schaffner erholen, ist der einzige, der wie ein normaler Personenwaggon aussieht. Am Abend ist fast niemand da. Die Ärzte sind mit ihren Patienten beschäftigt. Ein alter Mann klagt über Bauchschmerzen. Der Arzt misst seinen Blutdruck und seine Temperatur. Albina und ich sitzen auf einem leeren Bett. Ich frage sie, wie sie mit ihren Gefühlen nach jeder solchen Reise zurechtkommt.

Foto: Andrii Boiko / Babel
Foto: Andrii Boiko / Babel

“Ich erinnere mich sehr gut an meine ersten Gefühle. Es war eine große Familie aus Mariupol – ein Mann und eine Frau, ein Kind und ihre Eltern. Als sie versuchten, die Stadt zu verlassen, wurde der Konvoi [in dem sie unterwegs waren] beschossen. Das Kind befand sich in den Armen des Großvaters auf dem Vordersitz. Er deckte das Baby mit seinem eigenen Körper zu, sodass das Kind fast unverletzt blieb. Alle anderen Menschen haben sehr gelitten. Und wenn man sich diese Geschichten anhört, versteht man, wie nahe es einem selbst geht. Damals, ganz am Anfang, als wir jeden Tag pausenlos gearbeitet haben, gab es keine Zeit zum Nachdenken. Du weißt, was du tust und warum du es tust. Und das rettet dich.”

Albina kommt aus Sumy. Sie hat ein Medizinstudium absolviert, als Ärztin gearbeitet und unterrichtet. Zu Beginn der groß angelegten Invasion war Sumy sofort umzingelt. Albina gelang es, die Stadt nach drei Wochen zu verlassen. Sie kam nach Uschhorod und musste dann ins Ausland gehen.

Foto: Andrii Boiko / Babel

“Ich habe mir jedes Mal gesagt – na ja, ich verbringe noch einen Tag in Uschhorod”, lächelt Albina. “Dann noch einen Tag und noch einen Tag. Ich sollte nach Lettland fahren, hatte schon ein Ticket in der Hand, alles war vorbereitet. Aber als ich an der Grenze ankam, wurde mir klar, dass ich einfach nicht weitergehen kann. Dann sah ich, dass die Organisation “Ärzte ohne Grenzen” Mitarbeiter in der Ukraine suchte. Ich war schon immer daran interessiert, für eine internationale Organisation zu arbeiten, also habe ich mich beworben und wurde angenommen.”

Sie antwortet schnell auf eine Nachricht von jemandem und fährt fort.

“Wenn ich mit ausländischen Kollegen spreche, sind sie oft überrascht, wie ruhig ich bin. Sie verstehen nicht, dass wir einen Krieg haben, aber wir lächeln und verhalten uns wie immer. Man muss weiterleben, das Leben ist noch nicht vorbei.”

Es ist 21.00 Uhr und fast alle Patienten schlafen schon. In einem der Waggons sitzt eine Familie ― ein Mann, eine Frau und zwei Söhne. Sie kommen aus Bachmut in der Region Donezk. Seit Juli versuchen die Russen vergeblich, die Stadt zu besetzen, und beschießen sie jeden Tag gnadenlos. Aufgrund dieser gescheiterten Versuche wurde Bachmut so berühmt, dass sogar Elon Musk davon weiß.

Foto: Andrii Boiko / Babel

Die Frau heißt Yuliia und sie ist bereit zu reden.

“Das Projektil flog direkt in den Raum, in dem wir saßen”, sagt sie. Ich kann sie kaum verstehen, denn der Zug klopft monoton und Yulia spricht sehr leise. “Ich habe eine Beinamputation und mein Mann auch. Der ältere Sohn wurde an der Hand getroffen, der jüngere hat eine Gehirnerschütterung.”

“Warum haben Sie Bachmut nicht verlassen?” frage ich.

“Sie wissen, wie das ist. Wir dachten immer: Vielleicht wird uns das nicht treffen. Der Beschuss war heftig, aber er hat uns nicht erreicht. Ich wollte nirgendwo hingehen, unser Haus nicht verlassen. Unser ganzes Leben bleibt Bachmut. Jetzt mache ich mir so viele Vorwürfe, dass wir nicht früher gegangen sind…”

Yuliia weint. Unbeholfen trete ich von einem Bein aufs andere auf der Stelle. Dann sage ich plötzlich zu mir selbst:

“Man weiß nie, wie es ausgeht. Mir wurde eine Geschichte über eine Familie aus der Region Tschernihiw erzählt. Sie haben in der Besatzung überlebt. Als unsere Truppen einrückten, beschlossen sie, nach Westen zu gehen. Auf dem Weg dorthin wurde eine Mine gesprengt und alle starben.”

Yuliia schweigt. Es scheint mir, dass ich etwas Taktloses gesagt habe, aber die Frau stimmt mir plötzlich zu.

“Ja, Sie haben wahrscheinlich recht. So ist das nun mal im Leben. Wenigstens sind wir am Leben. Leider gibt es kein Zurück mehr. Von dem Haus ist nichts mehr übrig geblieben.”

“Aber das Wichtigste ist, dass ihr alle lebt. Halten Sie durch.”

Yuliia lächelt leicht und bedankt sich. Zum Abschied nimmt sie meine Hand und wünscht mir ebenfalls Kraft. Sie sagt: “Wir alle müssen jetzt mehr denn je zusammenhalten.”

Um 6 Uhr morgens sind wir in Winnyzja angekommen. Der ganze Zug schläft noch. Albina kommt, um uns zu verabschieden.

“Haben Sie überhaupt geschlafen?” frage ich sie. “Ein bisschen”, sagt sie und schüttelt den Kopf, wie es sehr beschäftigte Menschen normalerweise tun.
„Wie war die Nacht? Ist alles in Ordnung?“

Albina schüttelt wieder unsicher den Kopf. Ich erinnere mich daran, was Schaffner Mychailo zu Beginn der Reise sagte: Die Patienten hier sind verschieden und nicht alle sind den Ärzten dankbar. Und auch an die Worte von Tetjana Iwaniwna, dass sie auf jeden Fall nach Kramatorsk zurückkehren wird. Die meisten Passagiere dieses Zuges können nirgendwohin zurückkehren.